Rundbrief 2005

CIB-Rundbrief
September 2005
Ausgabe Nr. 3

Communio Internationalis Benedictinarum

Kontakt: Sr. Monica Lewis OSB, Abtei St. Scholastica, D-49413 Dinklage
  Telefon: +49 4443 5130 Fax: +49 4443 513118 e-Mail: abtei@abteiburgdinklage.de
 Für die deutsche Ausgabe: Sr. Lucia Wagner OSB, Kommunität Venio OSB, Döllingerstr. 32, D-80639 München
  Telefon: +49 89 1795986  Fax: +49 89 177004  e-Mail: wagner@kommunitaet-venio-osb.de

Editorial

Treffen der CIB 2005

 - Zusammenfassung

 - Bericht der Moderatorin

 - Gedanken zum Thema Leitung
von Sr. Judith Ann Heble

 - Treffen mit den Oberen der monastischen Gemeinschaften Polens

 - Überblick über die benediktinischen Frauengemeinschaften in Polen

 - Benediktinerinnen in Osteuropa

 - Ein Besuch in Żarnoviec

 - Persönliche Eindrücke vom benediktinischen Leben in Polen

NEUIGKEITEN

 - Symposium 2006

 - Catalogus 2006

 

 

Editorial

Ich bin gerade von der jährlichen Konferenz der CIB zurückgekehrt, die vom 5. – 15. September 2005 in Polen stattgefunden hat. Einmal mehr sind die Delegierten der 19 Regionen aus aller Welt zusammengekommen, haben miteinander gebetet, haben sich ausgetauscht und die Führung des Heiligen Geistes erbeten, der bereits in der Vergangenheit ihre Anstrengungen ermutigt und gesegnet hat. Dieser Rundbrief fasst die verschiedenen Aspekte des Treffens zusammen und gibt neue Fragen von allgemeinem Interesse weiter.

Er fällt kürzer aus als in der Vergangenheit, denn der Grund ist jetzt gelegt, weshalb grundlegende Informationen nicht mehr nötig sind. Ich möchte diejenigen, die mehr erfahren wollen, auf die CIB-Website unter www.benedictines-cib.com verweisen. Dort finden Sie sowohl ältere Ausgaben des Rundbriefs als auch weitere Informationen.

 Sr. Monica Lewis OSB


Jahreskonferenz
der CIB-Delegierten

Zum fünften Mal fand das jährliche Treffen der CIB außerhalb Roms statt. Es entsteht eine Struktur, welche die positiven Erfahrungen der Vergangenheit in sich aufnimmt. In diesem Jahr waren dem ersten Teil des Treffens, bei dem die Delegierten unter sich zusammenkamen, um zu diskutieren und sich auszutauschen, drei volle Tage gewidmet. Dies war ein sehr wichtiger Teil des Treffens und die wachsenden Beziehungen untereinander trugen viel dazu bei, die Qualität des Austauschs zu bereichern.

Den zweiten Teil des Treffens bildete ein ganzer Tag, an dem die polnischen Benediktinerinnen ihre Gemeinschaften und ihre unterschiedlichen Charismen vorstellten. Der dritte Teil des Treffens bestand aus Besuchen in verschiedenen Gemeinschaften und wichtigen Orten (der Geschichte), um so auf beiden Seiten das Verständnis füreinander zu vertiefen. Alle drei Aspekte des Treffens werden auf den folgenden Seiten dokumentiert.

Das Treffen der Delegierten

Ein Aspekt bei diesem Teil des Treffens war, in die Zukunft zu schauen und den Weg für neue Entwicklungen zu ebnen. Im vergangenen Jahr, beim Äbtekongress 2004, hatten die Delegierten ihr Ziel der Anerkennung durch die Confederatio Benedictina erreicht. Auf ihre Anfrage hin wurde die Lex Propria aktualisiert in Form einer gebührenden Erwähnung der CIB. In diesem Jahr lag deshalb das Gefühl eines Neuanfangs in der Luft. Im kommenden Jahr, nach dem Symposium 2006, werden die Delegierten eine Moderatorin und einen Rat für die nächsten vier Jahre wählen. Für diese Amtszeit wird es notwendig sein, in einem Prozess der Unterscheidung Ziele zu formulieren. Dieser Prozess wurde während der Tage in Warschau angestossen.

Bei solch einem Treffen ist immer auch Zeit für die Arbeit an monastischen Themen vorgesehen. In diesem Jahr standen dabei Vorarbeiten zum Thema „In Weisheit leiten nach der Benediktsregel“ im Vordergrund, in Vorbereitung auf das Symposium 2006. Vier Delegierte unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen waren gebeten worden, ein Kurzreferat über das zu halten, was sie gelernt hatten. Sr. Judith Ann Heble aus den USA, die Präsidentin der „Conference of Benedictine Prioresses“ sprach in der Einführung von ihren eigenen Erfahrungen und erleichterte uns damit den Einstieg in die Sitzung. Die persönliche Art und Weise, in der eine Jede sprach, ermutigte zum Austausch und legte die Spur für die Themen, die auf dem Symposium zu diskutieren sein werden.
 

Gebet des hl. Aelred

Herr, du kennst mein Herz, und was immer du deinem Knecht gegeben hast, ich will es nach besten Kräften für sie verwenden und es ganz in ihren Dienst stellen. So bitte ich, gewähre mir, Herr, mein Gott, halte deine Augen offen über ihnen bei Tag und bei Nacht; breite liebevoll deine Schwingen aus, sie zu beschützen; strecke aus deine heilige Rechte, sie zu segnen; gieße in ihre Herzen deinen Heiligen Geist, dass er bei ihnen sei, wenn sie beten: sie zu erneuern in Frömmigkeit und Reue, sie zu beleben mit Hoffnung, sie demütig zu machen mit Ehrfurcht und sie zu entflammen mit Liebe.

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Der Bericht der Moderatorin

(Auszüge aus dem Bericht von M. Máire Hickey am 6.September 2005)

I

Die Bedeutung Polens und Warschaus als Austragungsort für unser Treffen – einige Überlegungen zu unserer benediktinischen Berufung

Ich möchte meinen Bericht für das Jahr 2004-2005 beginnen mit einem ganz herzlichen Dank an M. Jolanta, die uns eingeladen hat, dieses Treffen hier in Polen abzuhalten. Jetzt am Anfang möchte den Blick auf diesen Ort richten, an dem wir zu unserem Treffen 2005 der CIB versammelt sind, und uns ins Bewusstsein rufen, wie unsere Anwesenheit in dieser Stadt uns in das Herz unserer benediktinischen Berufung hinein ziehen wird.

Assisi, wo wir vor einem Jahr unser Treffen abgehalten haben, bleibt unvergesslich als die Stadt des Friedens .... Woran denken wir in Verbindung mit Warschau? Unsere CIB-Reise hat uns von einem Ort, wo der Geist der Versöhnung, der das Evangelium erfüllt, überall greifbar war, in eine Stadt geführt, in der krimineller Missbrauch von Macht einiger Menschen über andere und brutale Vergeltung tragische Narben des Krieges hinterlassen haben, die noch viele Jahre brauchen werden, um zu verheilen.
Wir wissen, dass der Versöhnungsprozess begonnen hat und stetig voranschreitet ... Wenn wir als benediktinische Schwestern und Nonnen reisen, besuchen wir diese Stätten nicht einfach als Touristinnen, oder um unsere kulturelle Bildung zu erweitern. Wir wissen, dass das, was hier in der jüngeren Geschichte geschehen ist, etwas mit unserem Leben hier und jetzt zu tun hat. Wir wissen, dass ein Teil der Gier nach Macht und der Gewalt, welche 1944 zur Zerstörung dieser Stadt geführt haben, in uns selber lebt. Wir wissen, dass unser alltägliches Leben der Versöhnung in unseren Gemeinschaften einen Beitrag stiftet zu dem Versöhnungsprozess zwischen Polen und Deutschland, zwischen Ost und West, Nord und Süd auf der ganzen Erde. Warschau führt uns tief hinein in unsere kontemplative Berufung, hinein in unseren Anteil am Versöhnungsprozess, zu dem die Welt Tag für Tag eingeladen ist, und  dessen Mitte die versöhnende Selbsthingabe Jesu an seinen Vater bildet, die wir täglich in der heiligen Eucharistie feiern.

II

Wo stehen wir, wenn wir uns in Warschau treffen?

Wir beginnen unser Treffen hier in Warschau mit einem Blick zurück nach Assisi und zum Äbtekongress 2004 in Rom, um uns ein Jahr danach unsere Situation klar zu machen.

Bis jetzt hatten unsere Treffen immer mit einem Rückblick auf die Ziele begonnen, die wir anstrebten und die wir zu erreichen hofften. Dieses Mal ist es anders. Bis zum September 2004 hatten wir wichtige Ziele erreicht, die wir uns selbst gesetzt hatten und für die wir, mehr als 20 Jahre lang, gearbeitet hatten. Wir sind an einem entscheidenden Punkt unserer Geschichte angelangt. Die Nonnen und Schwestern, die nach der Regel des heiligen Benedikt leben, sind eine internationale Gemeinschaft geworden. Wie werden wir in Zukunft sein? Für uns ist es Zeit, die nächsten Herausforderungen zu erkennen, die an unserem Weg liegen. Das bedeutet: auf das Wort Gottes und auf die Zeichen der Zeit zu hören und Fragen zu benennen, bei denen wir aufgerufen sind, sie uns zu eigen zu machen. Es ist Zeit für uns, den Prozess zu beginnen, der uns, in nur einem Jahr von heute an, dahin führen wird, unsere konkreten Ziele und Visionen für 2006-2010 zu benennen.

Einige Gedanken: Nach unserem Treffen in Assisi haben wir auf dem Äbtekongress Darlegungen zum Thema „Globalisierung“ gehört. Die Botschaft ist deutlich herüber gekommen: Die Globalisierung ist da und wird bleiben! Fragen sind nicht länger Fragen von kleinen Gruppen oder einzelnen Menschen. Alle Fragen betreffen uns alle. Ereignisse des letzten Jahres bekräftigen dies: Wir machten die Erfahrung globaler Anteilnahme bei der Tsunami-Katastrophe in Indonesien, globalen Interesses beim Tod von Papst Johannes Paul II. und globaler Beteiligung bei seinem Begräbnis ... Der Krieg im Irak, die Konflikte in Israel und Palästina, die Terrorattacken in London und an vielen anderen Orten tragen zur Entwicklung eines globalen Bewusstseins bei. Wir sind Mitglieder dieser Weltgemeinschaft. Die Tatsache, dass wir Benediktinerinnen sind, entbindet uns von keiner wie auch immer gearteten Verantwortung, die eben mit dieser Mitgliedschaft in der Weltgemeinschaft verbunden ist. Aber das verlangt von uns, dass wir die spezifische Qualität unserer Verantwortung herausfinden - ebenso die spezifische Weise ihrer Ausübung. Unsere Vision für die Zukunft wird verlangen, dass wir dies in Rechnung stellen. Als Benediktinerin im dritten Jahrtausend zu leben wird bedeuten, dass wir lernen, welches die Verantwortung christlicher Mönche und Nonnen für diese Welt ist.

Benedikt lehrt uns, mit großer Sorgfalt und Achtung gegenüber den kleinen Dingen des täglichen Lebens in der Gemeinschaft zu leben. Aber seine Regel führt uns nicht hinein in eine zwanghaft neurotische Fokussierung auf unser eigenes Leben und unsere eigene Gemeinschaft. Sie (d.h. Die Regel) führt uns ein in die Liebe zu unserer unmittelbaren Umgebung und zu den Menschen, die in ihr leben, weil sie unsere Augen zugleich wegführt von ihnen, so dass wir den Lichtkreis sehen, in den die ganze Welt eingetaucht ist – so wie Benedikt ihn gesehen hat. Wir wollen eine Vision, die uns hilft, die Verbindung zwischen dem Kleinen und dem Großen zu erfassen. Wir brauchen eine Vision, die uns daran erinnert, dass wir zu einem Leben des Gebets, der Kontemplation und des Lobpreises unseres Schöpfers in der globalisierten Welt berufen sind.

Innerhalb der Weltgemeinschaft macht Europa derzeit Entwicklungsprozesse durch, die von ungeheurer Bedeutung  für die Welt der Zukunft sein werden. Unser Treffen in Warschau, einem Mittelpunkt der Versöhnung zwischen Ost und West, wird uns europäische Benediktiner und Benediktinerinnen dazu herausfordern, eine Vision zu formulieren für unseren Beitrag zu dem Bemühen, das Christentum wieder nach Europa zu bringen.

Die Zeichen der Zeit rufen – nicht nur in Europa – nach konzertierter Entscheidung und Aktion von Christen, in dieser Welt nach dem Evangelium zu leben, im Wissen um die Mächte der Finsternis, die so oft über uns herein zu brechen scheinen, und doch vertrauensvoll voranschreitend um dem Licht zu folgen. Spiritualität ist wesentlich etwas, das gelebt wird. Aber sie muss formuliert und kommuniziert werden. Die Welt braucht Benediktinerinnen, welche die christliche Botschaft leben, formulieren, kommunizieren durch ihre Existenz  und durch ihre monastische Gastfreundschaft. Die Entwicklung des monastischen Lebens bei den Frauen zu fördern, wie es unsere Statuten sagen, ist eines unserer Ziele. Wir brauchen eine CIB, die uns hilft, unsere Berufung in der Wirklichkeit der globalisierten Welt des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu leben.

III

Leiten in Weisheit - ein Teil unserer Vision

Ich glaube, dass, als wir „Leiten in Weisheit“ als unser Thema für das Symposium 2006 wählten, wir den Grundton für die Visionsarbeit der CIB in den folgenden Jahren angeschlagen haben. Ohne gute Leitung kann in einer Gemeinschaft keine Vision entstehen, und ohne gute Leitung können auch die besten Visionen nicht in die Tat umgesetzt werden. Beim Symposium werden wir, unter anderem, darüber sprechen, wie eine Person sich entwickeln muss, damit sie fähig wird, gute, gesunde Leitung auszuüben. Jedes menschliche Wesen hungert nach Macht ebenso wie nach Nahrung und Wertschätzung. Als Leiter oder Leiterin kann man die wunderbare Gelegenheit bekommen, Wege zu finden, den eigenen Hunger nach Macht zu stillen. Diese Tätigkeit hat allerdings etwas leicht Exklusives an sich: So lange ich das tue, führe ich überhaupt nicht. Möglicherweise vernachlässige ich die Menschen, die ich leiten sollte, oder füge ihnen sogar Schaden zu. Ich fürchte, dass in der Vergangenheit manchmal die Dinge in unseren Gemeinschaften deshalb falsch gelaufen sind, weil wir uns nicht ausreichend dessen bewusst waren, was Leitung bedeutet – ebenso wenig der persönlichen Entwicklung und Veränderung die damit verbunden sind, im christlichen Sinne des Wortes Leiter oder Leiterin zu werden.

Zu helfen, in benediktinischen Frauengemeinschaften Leitung zu entwickeln, die menschlich und geistlich gesund ist, könnte ein inspirierendes Element innerhalb der Vision sein, die wir für die nächste Etappe unserer Reise schmieden wollen.

Schließlich müssen wir, wenn wir für die Zukunft arbeiten, unsere jungen und jüngsten Mitschwestern  besonders im Blick haben. Wenn wir eine Botschaft und eine Vision weitergeben wollen, müssen wir auf die Jungen hören und versuchen, sie zu verstehen. Wir müssen fragen, wie die CIB unseren Schwestern- und Nonnengemeinschaften helfen kann, gemeinsame Grundlagen mit der jüngeren Generation zu finden, ihnen Raum zu geben damit sie wachsen und lernen, das Leben im Dienst des Herrn zu lieben.

Am Ende dieses Treffens werden wir zurückkehren in unsere Gemeinschaften, in den täglichen Ablauf von Gebet, Abgeschiedenheit, Stille, schlichtem Dienst und Gastfreundschaft. Unser CIB-Treffen wird uns dazu veranlassen, mit einer tieferen Bewusstheit unserer Teilhabe am Prozess erlösender Verwandlung unserer Welt zurückzugehen – unserer Teilhabe durch unser monastisches Leben nach der Regel des heiligen Benedikt.


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Symposium 2006

Das 5. Internationale Symposium der Communio Internationalis Benedictinarum wird vom
7. - 14. September 2006 in San Anselmo in Rom stattfinden unter dem Motto:

„Leiten in Weisheit: damit die Starken finden, wonach sie suchen und die Schwachen nicht abgeschreckt werden“ (RB 64,19).

Sr. Ruth Fox OSB und P Selvaratnam OMI konnten als Referenten gewonnen werden. Beide werden jeweils zwei Tage lang Einblick geben in Leitung im benediktinischen Verständnis, menschliche Entwicklung und die Bedürfnisse von Leitungsverantwortlichen in der Gegenwart. Zwei australische Benediktinerinnen, Sr. Mary McDonald und Sr. Elisabeth Brennan, haben sich bereit erklärt, das Treffen zu organisieren.

Wie schon 2002 wird jede Region gebeten, eine Jungprofesse unter 50 Jahren zu entsenden, die ihre feierliche Profess am oder nach dem 1. Januar 2001 abgelegt hat. Sie sollte kommunikationsfreudig sein und nach Möglichkeit zwei der offiziellen Sprachen des Treffens sprechen (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch), um so den Austausch und die Begegnung mit anderen zu erleichtern.

Am 15. September werden die Wahlen der Moderatorin und des Administrativrates für die nächsten vier Jahre stattfinden

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Auszüge aus dem Referat von Sr. Judith Ann Heble

zum Thema Leitung

    eine gute Leiterin ist eine ...

    Person, die zuhört – hörendes Herz

    Person, die akzeptiert – macht es jedem/jeder möglich, sich zugehörig zu fühlen

  • herausfordernd in Worten und Taten
  • empathisch und verständnisvoll
  • Person, die ein-, nicht ausschließt – offen für Verschiedenheit

  • alle eingliedert
  • alle einschließt
  • Person, die ermächtigt

  • fragt nach den Gaben der anderen
  • teilt die Verantwortung mit ihren Schwestern
     
  • Ja, die Gemeinschaft erwartet viel von ihrer Leiterin.
    Die Gemeinschaft empfängt viel von ihrer Leiterin

  • die für die Glieder der Gemeinschaft ihr Leben gibt.

Wenn Sie das ganze Referat lesen wollen:
Es ist erhältlich bei Sr. Monica Lewis,
abtei@abteiburgdinklage.de.

 

Einige Gedanken zur Leitung
von M. Erica Van de Cauter

  • Geheimniskrämerei und Exklusivität tragen bittere Früchte.
  • Als Leiter(in) kannst du geliebt werden trotz deiner Fehler und Schwächen. Es ist wichtiger, dass die Schwestern spüren, du liebst sie, und dass du Zeit auf sie und für sie investierst.
  • Meine Novizenmeisterin und meine Priorin waren beide starke Persönlichkeiten, die ich sehr bewunderte. Und denen gegenüber ich in meinem Herzen sehr dankbar bleibe, vor allem für die Art und Weise, in der sie ihre Leitung ausübten. Auch wenn ich nicht das tun kann, was sie taten, habe ich eine Menge von ihnen gelernt, vor allem Mut und Ausdauer.
  • Deine Vision muss aus deinem Leben als Benediktinerin heraus wachsen, aus deinen Träumen und deiner Erfahrung. Und sie hat nur dann eine Chance, Fleisch und Blut anzunehmen, wenn du sie mit einem Leitungsteam teilst. Um deine Vision zu verwirklichen, musst du innerhalb deiner konkreten Lebensumstände eine Strategie entwickeln, und du musst mit Ausdauer daran arbeiten.
  • Dir wird Autorität verliehen – du musst sie empfangen. Deine Art zu sprechen und mehr noch, in Beziehung zu treten, spielt eine wichtige Rolle: Deine Aufmerksamkeit, dein Engagement, deine Hingabe, deine Redlichkeit, deine Verfügbarkeit; dass du zuhörst, berätst, Rat annimmst, diskutierst, dich mit anderen triffst und dich mit ihnen austauschst.
  • Du musst zuerst animieren, du musst kreativ sein, wertschätzen und ermutigen, und als Leiter(in) musst du für deine Mitarbeiter(inne)n Vergnügen an der Arbeit schaffen.
  • Du musst nicht alles allein tun. Du musst delegieren, Verantwortlichkeiten verteilen, und andere einbeziehen: ein zentrales Team von Mitarbeiter(inne)n ist besonders wichtig.
  • Für dich selbst brauchst du die Resonanz von Menschen, deren Einblick und Rat dir wertvoll ist.
  • Als Oberin lernte ich, mehr denn je, meine gläubige Abhängigkeit von Ihm zu leben, der mich durch meine Gemeinschaft zur Leiterin bestimmt hat, alles von Ihm allein zu erwarten, jeden Erfolg Ihm zuzuschreiben, und jeden Misserfolg mir selbst.
  • Beständiges Leben in Gemeinschaft fordert von der Leitung eine dauernde Aufmerksamkeit dafür, was zu- oder abträglich für die Einheit ist; du solltest versuchen zu stärken, was die Solidarität fördert.
  • Konferenzen, Gespräche, Momente der Beratung und sorgfältigen Überlegung spielen eine große Rolle, aber auch das gemeinsame Tun, das gemeinsame Feiern.
  • Als Leiter(in) wirst du gezwungen, deine Strategie zu korrigieren entsprechend den vorhandenen Menschen und den gegebenen Umständen.
  • Die wichtigen Optionen und Entscheidungen müssen immer gemeinsam getroffen werden.
  • Fortbildung bleibt von besonderer Wichtigkeit, für die Leitung und alle Mitglieder der Gemeinschaft. Dem muss das vorrangige Augenmerk der Leitung gelten.
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Treffen mit den monastischen Oberen/Oberinnen Polens

Sehr viel Energie und große Anstrengung haben unsere Gastgeberinnen, Mutter Jolanta Rzoska, Mutter Martyna Wysocka und deren Team aufgewendet, um uns die monastische Szene Polens vorzustellen.

In dieser Region gibt es ein existierendes, gut funktionierendes Netzwerk zwischen allen verschiedenen Arten von Gemeinschaften, die unter der Regel des heiligen Benedikt leben, Männer und Frauen, Nonnen und Schwestern. Die kamaldulensischen Gemeinschaften, waren ebenso vertreten wie ein ganzes Dorf von Menschen, die Oblaten des heiligen Benedikt geworden waren. Von ihnen lebt eine kleine Gruppe in Gemeinschaft, im Dienst an den Armen. Die drei Gemeinschaften, die zur Kongregation der Ewigen Anbetung gehören, waren vertreten, ebenso die neun Frauengemeinschaften, die zur Kongregation der Unbefleckten Empfängnis unserer Lieben Frau gehören, die ursprünglich so genannte Polnische Kongregation. Schließlich nahmen auch Vertreter der drei benediktinischen Männergemeinschaften an dem Treffen teil: Tyniec, Lublin und die noch junge Gründung Biskupów.

Viele dieser Oberen und Oberinnen blieben bei der Gruppe und nahmen an den Ausflügen teil. Manche fuhren sogar mit uns in den Norden Polens um die Gemeinschaft von Żarnoviec bei Danzig zu besuchen.

Große Anstrengungen wurden unternommen, um die Sprachbarriere zu überwinden. Wir bekamen sogar ein kleines, selbst hergestelltes CIB-Wörterbuch in unser Gepäck, mit Hilfen zur Aussprache der Wörter, die für die meisten Menschen aus westlichen Kulturen unaussprechlich anmuten. Italienisch, Französisch und Deutsch waren oft eine Hilfe, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen, und wo es keine gemeinsame Sprache gab, war die Bereitwilligkeit, einander von Angesicht zu Angesicht, von Person zu Person zu begegnen, ein erster wichtiger Schritt, und danach war es oft möglich, jemanden zu finden, der bereit war bei Tisch oder im Bus zu dolmetschen.

Über die persönlichen Begegnungen hinaus gab es drei weitere wichtige Methoden, die uns halfen, mit der monastischen Szene in Polen vertraut zu werden.

Eine war das exzellente Display im Korridor, das jedes Haus zeigte, versehen mit grundlegenden Informationen. Ein weiteres der DVD-Film, den ein begeisterter Oblate von Żarnoviec gedreht hat: Er hatte zuvor alle achtzehn Häuser in Polen besucht und Interviews mit den Schwestern aufgenommen.

Am Ende bekam jede in ihr Gepäck eine Landkarte von Polen mit der vollständigen Information über alle benediktinischen Klöster oder abhängigen Häuser, sowie Bilder von manchen der Häuser. Die Anstrengung, dies alles vorzubereiten wurde besonders geschätzt, denn all dies machte es sehr einfach, Informationen an die Gemeinschaften zuhause weiterzugeben.

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Ein Überblick über die benediktinischen Frauengemeinschaften
 in Polen

Kongregation

Anzahl der Häuser

Besonderes Charisma

Missions-Benediktinerinnen von Otwock

Etwa 30 Häuser in Polen, der Ukraine, Ecuador, den USA, Brasilien.

264 Schwestern

ora et labora

ein Gleichgewicht zwischen Gebet und Arbeit, darin inbegriffen apostolische Tätigkeit,

Näharbeiten, Gemeindearbeit

Benediktinerinnen von Loretto

Etwa 20 Häuser in Polen, Italien, der Schweiz, Russland, der Ukraine, Rumänien, den USA

201 Schwestern

Das geschriebene Wort Gottes weitergeben, - Betrieb einer Druckerpresse, Arbeit mit alten Menschen und Kindern

Benediktinerinnen von Samaria

 

15 Klöster in Polen und Italien

160 Schwestern

Dienst an den Armen;

Pflege des gregorianischen Chorals und der Liturgie

Oblaten

Ein Dorf, 8 Schwestern, und 200 Oblaten

Das benediktinische Charisma für Laien

Unbefleckte Empfängnis unserer Lieben Frau

9 Klöster, die meisten im 16. Jahrhundert gegründet und im 19. Jahrhundert vertrieben

Liturgisches Gebet und

Handarbeit, Hostienbäckerei und andere für kontemplative Benediktinerinnen typische Arbeiten

Ewige Anbetung

3 Klöster
77 Nonnen

Anbetung des Allerheiligsten Sakraments

Camaldolenserinnen

2 Klöster (eines davon eine Neugründung)
25 Nonnen

eine Verbindung von Gemeinschaftsleben und Eremitenleben

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Benediktinerinnen in Osteuropa

Seit 1989 hat das benediktinische Leben in Osteuropa wieder zu mehr Selbstbewusstsein gefunden. Einzelne oder ganze Gemeinschaften, die während der kommunistischen Herrschaft im Untergrund lebten, sind glücklich, zu dem normalen monastischen Leben zurück zu kehren, das sie vor dem Krieg gekannt hatten, und neue Kontakte zu knüpfen, die zur Zeit des Eisernen Vorhangs unmöglich waren. Äbtissin Ursula Schwalke aus Alexanderdorf bei Berlin (einst in der DDR gelegen und Teil des Ostblocks) war zu diesem Treffen ebenso eingeladen wie die Äbtissinnen der beiden Gemeinschaften in Litauen – Vilnius und Kaunas – und die Äbtissin von Żytomierz in der Ukraine. Diese kleine Gruppe von Gästen repräsentierte einen Zweck der CIB auf besondere Weise, nämlich Gemeinschaften, die isoliert leben, in Kontakt miteinander zu bringen, und Kontakte herzustellen, die Ermutigung und Wachstum stiften. Es war eine einzigartige Gelegenheit für sie, die Erfahrung zu machen, dass sie zu einer weltweiten Familie von Benediktinern und Benediktinerinnen gehören, die Mitglieder der Konferenz aus aller Welt zu treffen, ebenso wie den Abtprimas, neue Kontakte zu polnischen Gemeinschaften zu knüpfen oder auch alte Freundschaften zu bekräftigen.

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Besuch in Zarnowiec, 12. – 15. September

Das Kloster Żarnowiec, erbaut im 13. Jahrhundert, mit einer jahrhundertealten Geschichte zisterziensischen und benediktinischen Lebens, stand auf dem Programm für die letzten Tage des Treffens. Dort wurden wir wärmstens von einer Gemeinschaft empfangen, die einen bewegten Hintergrund hat, und deren älteste Schwester eine von den Frauen war, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Vilnius vertrieben wurden (damals Teil von Polen, heute Litauen) und die 1946 nach Żarnowiec kamen, um das alte, verlassene Kloster mit neuem Leben zu erfüllen. Die jüngsten Schwestern erlebten das Ende der Sowjet-Ära als Teenager und nutzten die neue Freiheit, um die Länder Westeuropas und die USA zu bereisen, bevor sie nach Polen zurückkehrten, um Benediktinerinnen zu werden. Das Willkommen der Gemeinschaft fand seinen Ausdruck im gemeinsamen Gebet in der neuen Kapelle. Dort fanden viele Sprachen ihren Ort und die musikalischen Talente unserer Gastgeberinnen gestalteten die Gottesdienstfeier noch festlicher. Ihr Willkommen äußerte sich auch in der polnischen Küche. Tische wurden im Kreuzgang aufgestellt, um der großen Invasion der Gäste gerecht zu werden. Und ihr Willkommen äußerte sich in der Freude und dem Stolz, die sie zeigten, als sie uns etwas von der natürlichen Schönheit der Küste und die kulturellen und geschichtlichen Reichtümer des nahen Danzig erleben ließen. Große Sorgfalt wurde auf die Gestaltung einer inklusiven Liturgie verwendet, die von allen als der ruhende Punkt in der Mitte erfahren werden konnte, um den alles andere sich drehte. In ihrer ruhigen, entschlossenen Art erzählten sie uns davon, wie viel die polnischen Benediktinerinnen der weltweiten benediktinischen Familie des heiligen Benedikt zu geben haben. -

Vielen Dank!

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Unsere Gastgeberin, M. Jolanta Rzoska von Żarnowiec, Präsidentin der Kongregation von der Unbefleckten Empfängnis unserer Lieben Frau, die erfolgreich nicht nur Benediktiner und Benediktinerinnen verschiedener polnischer Traditionen zusammenführte, - Männer und Frauen, Nonnen und Schwestern -, sondern auch benediktinische Vertreterinnen anderer osteuropäischer Länder, zeigte uns, wie die Solidarität untereinander eine Quelle der Inspiration und der Ermutigung für alle sein kann.

Vier sehr unterschiedliche polnische Klöster konnten wir von Warschau aus besuchen: in LORETTO empfing uns Generalpriorin Zofia Chomiuk, in SAMARIA Generalpriorin Stella Drużdżel, beides Gemeinschaften mit einer munteren Schar junger Schwestern. Mit dem Besuch des Warschauer KLOSTER DER EWIGEN ANBETUNG  (Priorin Joanna Pietras) wurden wir unmittelbar mit der erschütternden Geschichte des vergangenen Jahrhunderts konfrontiert. Das Kloster, 1688 gegründet, wurde 1944 total zerstört, fast alle Schwestern und viele Menschen der Nachbarschaft fanden den Tod. und liegen unter den wiederaufgebauten Gebäuden begraben. Die Krypta des Klosters ist Gedenk- und Gebetsstätte für sie alle. - Vor der Reise in den Norden nach Żarnowiec empfingen uns Generalpriorin M. Martyna Wysocka und Superiorin M. Jana Bubel, die M. Jolanta während der gesamten Tagung hilfreich zur Seite gestanden hatten, in ihrer Gemeinschaft, im Generalat der Missionsbenediktinerinnen im OTWOCK. Die Gastfreundschaft in allen Klöstern war überwältigend.

Persönliche Eindrücke von der Situation
benediktinischen Lebens in Polen

Die Geschichte Polens ist ein wichtiges Element, will man die monastische Geschichte im Land oder auch die Mentalität der Menschen verstehen. Es gab eine Zeit großen Reichtums im Mittelalter, in der wunderschöne Kirchen und Häuser, voll von wertvollen Kunstwerken erbaut wurden. Die Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens stammt vor allem aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit gehörte Polen zum österreichischen Kaiserreich, was offensichtlich wird in der großartigen Architektur mancher Abteikirchen. Die meisten Abteien wurden während der Säkularisation aufgelöst, die im 19. Jahrhundert über Europa hinweg fegte. Einigen Gemeinschaften gelang es, zusammen zu bleiben und westwärts zu ziehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben praktisch alle Gemeinschaften eine Geschichte der Flucht und der Armut und des Neubeginns, oft in alten, verlassenen Klostergebäuden. Wieder und wieder wurden wir daran erinnert, dass eine Armee nach der anderen das Land verwüstet hat und das Gebiet zwischen den Eroberern auf verschiedene Weise in den verschiedenen Jahrhunderten aufgeteilt wurde, bis hinein in die Gegenwart. Die Narben des Zweiten Weltkriegs waren überall zu sehen. Angesichts dieser Geschichte erwies sich die Religion in verschiedener Weise als Hilfe, um die nationale Identität zu bewahren. Unsere Liebe Frau, die in der Ikone von Tschenstochau verehrt wird, wurde zur Königin von Polen erklärt. Ihr mütterlicher Einfluss wärmte das Herz eines Volkes, das von Leid gezeichnet war, und machte es stark in der Solidarität und im Durchhalten.

Wachsende Armut und der Zusammenbruch sozialer Strukturen führten im frühen 20. Jahrhundert zur Gründung von Kongregationen, die dem Dienst an den Armen geweiht waren. Es ist interessant zu sehen, wie ihre Gründer(innen) an der Idee festhielten, in der anfordernden Situation ihres Dienstes der Regel des heiligen Benedikt als einer Quelle geistlicher Nahrung zu folgen. Die Vernetzung und der Sinn für Solidarität zwischen allen Männern und Frauen, die der Regel des heiligen Benedikt folgen, scheint eine Quelle der Inspiration und der Ermutigung für alle zu sein, so wie sie auch einen Fundus an Ressourcen bereithält in einer Zeit, da die polnische Kirche mit neuen Herausforderungen konfrontiert ist durch die aus dem Westen kommenden säkularisierenden Einflüsse.

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Catalogus 2006

Sr. Felicitas Seisenberger aus der Kommunität Venio hat sich bereit erklärt, die Aufgabe einer Revision des Catalogus sororum et monialium, editio I, 2000, zu übernehmen. Sie werden in den nächsten Monaten von ihr oder von einer der Delegierten hören mit der Bitte um Informationen über Ihre Gemeinschaft. Wir hoffen, dass der neue Catalogus zum September 2006 fertig sein wird.

Ihre Adresse lautet:

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